Entre Mares prangert erneut die Entmenschlichung und Ungerechtigkeit an, denen die verletzlichsten Menschen der Welt zum Opfer fallen
Entre Mares sprach den Familien von zwölf Menschen sein Beileid aus, die bei den jüngsten drei tödlichen Überfahrten in Richtung Kanarische Inseln ums Leben kamen. In einer Pressemitteilung, die der Vorsitzende der Organisation, Marco Rodríguez, in Puerto del Rosario verlas, forderte der Verein sichere Wege von Afrika aus und mehr Mittel für die Suche nach und Rettung von Menschen, die auf See ihr Leben riskieren. Er kritisierte die Auslagerung der Grenzkontrollen und stellte die Arbeit der Medien infrage.
Am Mittwoch um zwölf Uhr mittags verlas der Vorsitzende der Organisation, Marco Rodríguez, auf der Plaza de la Iglesia in Puerto del Rosario eine Pressemitteilung. Zuvor hatte Entre Mares mit einer Schweigeminute der Opfer an den Küsten der Kanarischen Inseln gedacht. In der Erklärung prangerte die Organisation erneut die Migrationspolitik Spaniens und der Europäischen Union an und forderte sichere Wege für Menschen, die sich von Afrika aus auf den Weg machen.
“Wir werden angesichts des Unmenschlichen an diesen Todesfällen und des vielfachen Leids der Menschen, die überleben und unsere Küsten erreichen, nicht schweigen”, las Rodríguez vor.
Es handle sich um vermeidbare Todesfälle, betonte er. Vertreter des spanischen Staates und der Kanarischen Inseln sollten sich für die Öffnung legaler und sicherer Wege einsetzen.
Auslagerung der Grenzen: ein Geschäft, das das Recht auf Mobilität zur Ware macht
Rodríguez warf Spanien und Europa vor, auch 2025 an einer Politik der “Auslagerung der Grenzen, der Gewalt gegen Menschen, die in einem sicheren Land Schutz suchen, und des Todes” festzuhalten.
Besonders hob er die Lage in Mauretanien hervor. Dort hätten die neuen Kontrollmechanismen laut einer Analyse der NGO Caminando Fronteras die Zahl der Abfahrten verringert. Zugleich dokumentierten verschiedene Organisationen Vorwürfe von Folter und Misshandlungen an Migrantinnen und Migranten sowie Geflüchteten.
“Dieses transnationale System, in dem Mobilität durch die Auslagerung von Abschiebungen in Drittstaaten gesteuert wird, hat ein Geflecht internationaler Zusammenarbeit gefestigt. Es macht die Migrationskontrolle zu einem transnationalen Geschäft, das das Recht auf Mobilität vom Herkunfts- bis zum Zielort zur Ware macht.”
Entre Mares kritisierte außerdem, dass Medien den Ausdruck “Drama der Einwanderung” verwendeten, und forderte sie zu einer Berichterstattung mit journalistischer Sorgfalt auf.
27 verschwundene Boote
Entre Mares verwies auf Zahlen der Organisation Caminando Fronteras. Zwischen dem 1. Januar und dem 31. Mai 2026 zählte die NGO 1.317 Todesopfer, darunter 142 Frauen und 129 Minderjährige. In den ersten fünf Monaten des Jahres verschwanden 27 Boote mitsamt allen Menschen an Bord.
In diesem Zusammenhang kritisierte die Organisation, dass “die derzeitigen Such- und Rettungspraktiken den komplexen Anforderungen dieser Route nicht gerecht werden”.
Der Verein forderte, die Suchkapazitäten auf See auszubauen und Rettungsprotokolle einzuführen, die den Anforderungen der Kanarenroute entsprechen.
“Die Zeit, sich hinter Zäunen und Grenzen zu verschanzen, ist vorbei”, erklärte die Gruppe gegen Ende der Mitteilung.
“Ihre Würde zu verteidigen heißt, unsere eigene Würde zu verteidigen”, schloss Rodríguez.
Quelle: La Voz de Fuerteventura