Betancurias erste stellvertretende Bürgermeisterin gibt Zuständigkeiten ab, bleibt aber Gemeinderätin
Eine Gemeinderätin der Gemeinde Betancuria gibt nach einer Phase persönlicher Reflexion ihre übertragenen Zuständigkeiten ab. Ihr Mandat behält sie und will sich weiterhin in der Kommunalpolitik engagieren.
“Heute schreibe ich diese Zeilen mit einem Herzen voller Emotionen. Nach einer Zeit intensiver Reflexion habe ich beschlossen, die Bereiche abzugeben, für die mir die Gemeinde Zuständigkeiten übertragen hatte. Das war keine leichte Entscheidung, denn hinter jedem Projekt, jeder Initiative und jedem Arbeitstag stehen viele Stunden Einsatz, Begeisterung und Engagement für unseren Ort.”
Mit diesen Worten beginnt die Erklärung, die Esperanza González Méndez in den sozialen Netzwerken veröffentlicht hat. Die erste stellvertretende Bürgermeisterin von Betancuria, die für Unidos Por Betancuria im Amt ist, teilt darin mit, dass sie ihre Zuständigkeiten in der Gemeindeverwaltung abgibt: Volksfeste, Jugend, Sport, neue Technologien, Bildung, Städtepartnerschaften mit anderen Gemeinden und Bürgerbeteiligung.
Sie habe sich “nach einer Phase persönlicher Reflexion” zu diesem Schritt entschlossen. Die Entscheidung sei “schwierig”, aber notwendig, um “stimmig” zu handeln. Ihr Mandat als Gemeinderätin gibt sie jedoch nicht ab.
González Méndez begründet den Schritt damit, dass sie sich nicht “so fühlt, wie sie sollte”, um die hohe Belastung der täglichen kommunalen Arbeit zu bewältigen. “Das ist kein Akt der Feigheit, sondern des Mutes”, sagt sie. Sie habe gelernt, “auf den eigenen Körper zu hören” und entsprechend zu handeln.
Die Gemeinderätin räumt ein, zunächst befürchtet zu haben, ein Rückzug könne als Zeichen von Schwäche verstanden werden. Mit der Zeit sei ihr jedoch klar geworden, dass es sich um eine verantwortungsvolle Entscheidung handle. “Wer an die Arbeit im öffentlichen Dienst glaubt, muss auch ehrlich sein und erkennen, wann eine Pause nötig ist oder das Tempo geändert werden muss”, erklärt sie.
Auch wenn sie ihre Zuständigkeiten in der Gemeindeverwaltung abgibt, behält sie ihr Mandat und bleibt in der Kommunalpolitik aktiv. “Mein Engagement für diese Gemeinde und ihre Menschen ist ungebrochen”, betont sie. Sie werde sich weiterhin in ihrer Funktion für die Interessen der Einwohner einsetzen.
Für ihre Zeit an der Spitze der einzelnen Bereiche hebt sie mehrere angestoßene Projekte hervor. Dazu zählt, dass im Ort erstmals Sportangebote wie Crossfit, Zumba und Pilates eingeführt wurden. Auch habe sie versucht, den örtlichen Festen eine neue Ausrichtung zu geben und Begegnung sowie Beteiligung stärker in den Mittelpunkt zu stellen.
Sie würdigt außerdem die Zusammenarbeit mit den Bildungseinrichtungen, denen sie für ihre “Nähe, ihren Respekt und ein freundliches Wort” dankt. Auch die Mitarbeitenden der Gemeinde seien eine wichtige Stütze gewesen, um die Vorhaben umzusetzen.
Zugleich räumt sie ein, dass einige Projekte noch ausstehen: die Einrichtung einer Schulkantine, einer Gruppe für Zweijährige und der Bau von Sportanlagen. Es handle sich um “sehr notwendige” Vorhaben, deren Umsetzung nicht allein von ihr abhing.
Vor dem Abschluss dieser Etappe seien mehrere Projekte auf den Weg gebracht worden, versichert die Gemeinderätin. Dazu gehörten die Ausschreibung für die Bereiche Festveranstaltungen und Sport, das Weihnachtsprogramm “La Navidad que nos une” sowie verschiedene Projektunterlagen für kommunale Aktivitäten.
Sie bedankt sich auch bei den Menschen, die sie während ihrer Zeit in der Gemeindeverwaltung begleitet haben, und betont, dass ihr Engagement für den Ort bestehen bleibe. “Engagement gibt man nicht auf … man verändert nur die Art, wie man sich einbringt”, sagt sie.
Schwierige Zeiten für Enrique Cerdeña
In ihrer Bilanz betont die Gemeinderätin zudem, wie wichtig es sei, “alle Meinungen anzuhören und den politischen Stolz beiseitezulassen”. Damit deutet sie auf das schwierige Verhältnis zu Bürgermeister Enrique Cerdeña hin.
Sie plädiert dafür, das öffentliche Handeln unabhängig von der Parteizugehörigkeit am Gemeinwohl auszurichten. Damit spielt sie auf Coalición Canaria an, die mit drei Gemeinderäten in der Opposition vertreten ist. Dieselbe Zahl an Gemeinderäten hätte Unidos Por Betancuria, sollte die Gemeinderätin nicht nur ihre Ämter niederlegen, sondern auch zur Gruppe der fraktionslosen Gemeinderatsmitglieder wechseln und aus der Formation austreten. Ein solches Szenario würde die Einreichung eines Misstrauensantrags gegen den Bürgermeister ermöglichen.
In der Gemeinde Betancuria herrscht eine angespannte Lage, besonders für den Bürgermeister. Enrique Cerdeña muss morgen, am Freitag, vor dem Gericht erster Instanz und Ermittlungsgericht Nr. 3 in Puerto del Rosario als Beschuldigter aussagen. Dabei geht es um den Verdacht auf fortgesetzte Rechtsbeugung im Amt, Veruntreuung öffentlicher Gelder und Mobbing am Arbeitsplatz. Das genannte Gericht hatte nach einer Anzeige der Staatsanwaltschaft Vorermittlungen eingeleitet. Ebenfalls an diesem Freitag muss Elena Puchalt, Gemeindesekretärin und kommunale Rechnungsprüferin, als Beschuldigte vor Gericht erscheinen.
Quelle: La Voz de Fuerteventura